Notaufnahme im Krankenhaus kosten Krankenkassen Milliarden

16.08.2016

Vermeidbare Notfälle belasten das Gesundheitssystem enorm

Knapp 3,5 Millionen vermeidbare Krankenhausfälle haben die Wissenschaftler des IGES-Instituts ermittelt. In der am 22. Juli 2016 vorgestellten Studie im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) rechnen sie vor, dass sich die Kosten für die Aufnahme und die stationäre Behandlung dieser Menschen, denen ein niedergelassener Arzt gut hätte helfen können, auf knapp 4,8 Milliarden Euro jährlich belaufen.

Gleichwertige ambulante Behandlung wird verschmäht

Die Wissenschaftler untersuchten speziell die Krankenhausfälle, die durch eine effektive und rechtzeitige ambulante Versorgung prinzipiell hätten verhindert werden können. Insgesamt haben sie 3,453 Millionen solcher Fälle ermittelt. Darunter waren 1,768 Millionen Fälle mit dem Aufnahmeanlass „Notfall“, denen in der Regel keine Einweisung zugrunde lag. Das Krankenhaus sei für diese Patienten als Anlaufpunkt sichtbarer, manche erwarteten eine Komplettversorgung aus einer Hand oder sie wollten einfach nicht auf einen Termin in einer stark ausgelasteten Facharztpraxis warten, sagte Dr. med. Andreas Gassen über mögliche Gründe gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) kritisierte besonders, dass die Inanspruchnahme einer Krankenhausambulanz manchmal auch direkt beworben werde. „Das gilt insbesondere in Ballungsräumen, wo Krankenhäuser gut erreichbar sind, sowie gut ausgebaute Krankenhauskapazitäten und insbesondere große Kapazitäten in den Notaufnahmen bestehen.“
Ambulant vor Stationär - Neuausrichtung der Notfallversorgung

Patienten gehen den bequemen Weg, die Gemeinschaft zahlt

„Mehr als die Hälfte aller vermeidbaren Krankenhausfälle werden ohne ärztliche Einweisung aufgenommen. Betrachtet man das Geschehen an Werktagen, entsteht rund die Hälfte der Aufnahmen ohne ärztliche Einweisung zu den üblichen Praxisöffnungszeiten“, berichtete der Geschäftsführer des IGES Instituts, Dr. Martin Albrecht. Ihm zufolge erhalten die Krankenhäuser laut Statistik den meisten Zuspruch montags und dienstags tagsüber, also nach dem Wochenende. Insgesamt liege aber an Werktagen, speziell zu Praxisöffnungszeiten die Zahl vermeidbarer Aufnahmen ohne Einweisung etwa genauso hoch wie außerhalb der Sprechzeiten. „Damit drängt sich fast zwangsläufig der Eindruck auf, dass es unter anderem um Bequemlichkeit oder Unsicherheit bei der Selbstdiagnose geht“, sagt Thomas Adolph vom führenden Vergleichsportal www.gesetzlichekrankenkassen.de. Die starke Inanspruchnahme könne nicht durch ein fehlendes Versorgungsangebot vertragsärztlicher Praxen erklärt werden. Adolph: „Es fehlt ein korrigierender Faktor wie beispielsweise ein Kostenbewusstsein, das nicht entsteht, weil nicht die Privatperson, sondern die Kassen die Mehrkosten schultern müssen.“
Ambulantes Potenzial in der stationären Notfallversorgung

Kassen fordern ein Umlenken der unechten Notfall-Patienten

Der Vorstandsvorsitzende des Zi, Dr. Andreas Gassen, fordert vor dem Hintergrund der milliardenschweren Fehlsteuerung, die Notfallversorgung neu auszurichten. „Das Geld könnte wesentlich besser investiert werden, um die moderne ambulante Medizin für ein alterndes Deutschland besser bezahlbar zu machen“, sagt Dr. Gassen. „Durch die Notaufnahmen der Krankenhäuser wird der gesetzlich verankerte Grundsatz ambulant vor stationär konterkariert.

Krankenhausstrukturgesetz: Relevanz für ambulanten Bereich

Die Zahlen im Überblick

 

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